Seit nunmehr 20 Jahren liegen Stolpersteine im Straßenpflaster von Cottbus. Das KunstDenkmal von Gunter Demnig ist ein Projekt, das die Erinnerung an die Verfolgung und Ermordung der jüdischen Bevölkerung, der Sinti und Roma, der politisch Verfolgten, der Homosexuellen, der Zeugen Jehovas sowie der sogenannten Euthanasieopfer im Nationalsozialismus wachhält. Der erste Stein wurde 1992 in Köln verlegt. Heute finden sich diese kleinen, glänzenden Messingsteine in ganz Europa – inzwischen sind es fast 120.000. Seit 2006 sind die Stolpersteine auch in Cottbus Teil einer lebendigen Erinnerungskultur, damit sich Geschichte nicht wiederholt. Sie setzen ein deutliches Zeichen gegen revisionistische Geschichtsklitterung.
„Ein Mensch ist erst vergessen, wenn sein Name vergessen ist.“
— Gunter Demnig
Am 7. März verlegte Gunter Demnig den 100. Stolperstein in Cottbus. Er erinnert an Eugen Heilbrun und wurde vor dessen ehemaligem Wohnhaus in der Friedrich-Ludwig-Jahn-Straße 13 gesetzt. Nachdem Heilbrun im Februar 1936 den Erhalt des vorläufigen Reichsbürgerrechts beantragt hatte und daraufhin seine Familiengeschichte überprüft wurde, galt er nach nationalsozialistischen Vorstellungen als Jude. Nach gerichtlichen Auseinandersetzungen wegen einer „arischen“ Hausangestellten wurde der Ingenieur im November 1941 in das Konzentrationslager Sachsenhausen deportiert, wo er am 12. März 1942 verstarb.
Weitere drei Stolpersteine wurden in der Klosterstraße 25 verlegt – für die Familie Kaczka, deren Wohnhaus sich einst dort befand. Die Familie mit fünf Kindern lebte ab 1919 an diesem Ort. Die Eltern, Fischel und Malka Ides Kaczka, wurden Ende Oktober 1938 an die polnische Grenze nach Bentschen deportiert. Von dort flohen sie zunächst nach Poznań und gelangten 1940 in das Ghetto Łódź. Dort wurden sie vermutlich ermordet. Der Sohn Gustav befand sich bereits vor 1938 aufgrund von Depressionen in der Heilanstalt St. Joseph in Berlin. Von dort wurde er 1941 in das Jüdische Krankenhaus in Berlin-Wedding verlegt. 1943 wurde er nach Auschwitz deportiert und ermordet.
Unser herzlicher Dank gilt allen Spenderinnen und Spendern, die die Verlegung der Steine ermöglicht haben, den Menschen, die die Verlegung vor Ort begleitet haben, dem Ordnungsdezernenten Thomas Bergner für das Grußwort der Stadt, dem Heimatverein Cottbus sowie nicht zuletzt der Initiatorin der Cottbuser Stolpersteine, Gudrun Breitschuh-Wiehe, die seit nunmehr 20 Jahren die Recherchen zu den Stolpersteinen durchführt.
https://www.stolpersteine-cottbus.de/
https://www.rbb24.de/panorama/av/av24/video-brandenburg-cottbus-stolpersteine-gedenken-ns-verfolgte.html
Fotos: Uwe Titscher, Martin Kühne, Wolfgang Wiehe
