Ein Aussteiger aus der rechtsextremen Szene berichtet

Prävention, Aufklärung und persönliche Einblicke: Ein eindrucksvoller Projekttag zur Auseinandersetzung mit rechtextremer Radikalisierung an Cottbuser Schulen

Am Mittwoch, den 24.06.2026, fand am Humboldt Gymnasium sowie am Ludwig-Leichhardt Gymnasium eine besondere und sehr eindrückliche Veranstaltung mit einem Aussteiger aus der rechtsextremen Szene statt. Ziel der Veranstaltung war es, Schülerinnen und Schüler für die Gefahren rechtsextremer Ideologien und Verschwörungserzählungen zu sensibilisieren, die Mechanismen von Radikalisierungsprozessen verständlich zu machen und eine kritische Auseinandersetzung mit extremistischen Weltbildern zu fördern.

Herr Bergemann berichtete offen und persönlich über seinen eigenen Weg in die rechtsextreme Szene. Dabei schilderte er eindrucksvoll, wie schrittweise ein Einstieg in extremistische Strukturen erfolgen kann, welche persönlichen, sozialen und gesellschaftlichen Faktoren dabei eine Rolle spielen können und wie Manipulation, Gruppendruck sowie die Suche nach Zugehörigkeit Menschen beeinflussen können. In seiner autobiografischen Erzählung wurde besonders deutlich, dass Radikalisierung meist nicht plötzlich entsteht, sondern häufig über längere Prozesse verläuft, in denen sich Einstellungen und Wahrnehmungen verändern.

Neben seinem persönlichen Werdegang gab Herr Bergemann den Jugendlichen auch Einblicke in seine Erfahrungen innerhalb der Szene. Er sprach über die Dynamiken, die dort wirken, über die Auswirkungen extremistischer Ideologien auf das eigene Denken und Handeln sowie über die schwierige, aber wichtige Entscheidung, diesen Weg wieder zu verlassen. Besonders bewegend war die Darstellung seines Ausstiegsprozesses und die damit verbundenen Herausforderungen, aber auch die Chancen eines Neuanfangs.

Beeindruckend war die aktive Beteiligung der Schülerinnen und Schüler in den anschließenden Diskussionsrunden. Zahlreiche Jugendliche nutzten die Möglichkeit, Fragen zu stellen, eigene Gedanken einzubringen und sich kritisch mit den angesprochenen Themen auseinanderzusetzen. Auch nach dem offiziellen Ende der Gespräche suchten viele Schülerinnen und Schüler noch den persönlichen Austausch mit Herrn Bergemann.

Die Veranstaltung machte deutlich, wie wichtig persönliche Erfahrungsberichte in der Präventionsarbeit sind. Durch seine authentische Schilderung konnte Herr Bergemann den Jugendlichen nicht nur Wissen vermitteln, sondern auch emotional erreichen. Er zeigte auf, wie wichtig es ist, kritisch zu hinterfragen, eigene Entscheidungen bewusst zu treffen und menschenfeindlichen Ideologien entschieden entgegenzutreten.

Der Projekttag, der durch den Förderverein des Cottbuser Aufbruchs e.V. organisiert wurde, war ein wichtiger Beitrag zur Demokratiebildung und zur Stärkung der Jugendlichen im Umgang mit extremistischen Inhalten. Die Veranstaltungen an den Schulen konnten mit freundlicher Unterstützung des Kreisverbandes Cottbus von Bündnis 90/Die Grünen realisiert werden

Fotos: Stefan Schurmann